Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /customers/metaphil.de/metaphil.de/httpd.www/blogarien/textpattern/lib/txplib_db.php on line 14

Deprecated: Function split() is deprecated in /customers/metaphil.de/metaphil.de/httpd.www/blogarien/textpattern/lib/txplib_misc.php(534) : eval()'d code on line 401
/blogarien: Ich lerne Bulgarisch und Без приатели е скучнo

/blogarien

oder: "Du machst ein Auslandssemester in Sofia? Na, dann viel Spaß in Bukarest!"

zurück zur Startseite

Ich lerne Bulgarisch und Без приатели е скучнo

Без приатели е скучн

Ich finde, jeder sollte mal einen Sprachkurs machen. Am besten natürlich einen Intensivkurs. Wenn der Kurs so intensiv ist wie meiner, tritt eine geistig-entschlackende Wirkung ein. Man spült mal den ganzen anderen Mist aus dem Kopf und hat bald nichts mehr außer bekloppten bulgarischen Vokabeln in der Birne herumschwirren.

Mein Lernerfolg in Zentimetern?

Woche zwei also neigt sich dem Ende zu. Sehr, sehr stressig alles. Montag hinkte ich mit dem Stoff noch gut hinterher. Das ist durchaus auch meine Schuld, denn ich hab mich noch um andere Dinge kümmern müssen. Trotzdem immer bis nachts um halb eins zu pauken und schon morgens um sieben die Vokabeln von gestern zu wiederholen ist ätzend und macht einen richtiggehend kaputt. Montag und Dienstag waren bisher die anstrengendsten Tage. Ich muss meine ursprüngliche Meinung zu einer der beiden Dozentinnen etwas revidieren: Nur noch für die Eine gilt “goldenherzig”, für die andere gilt “großherzig”. Groß ist aber auch nur das Herz, das vorne auf ihren rosa Strickpulli gestickt ist. Dahinter verbirgt sich das Herz einer Panzergeneralin. Der Vergleich mit der Panzergeneralin bzw. dem Panzer trifft es, glaube ich, ganz gut: Dem Panzer isses nämlich genau so egal, ob er trifft oder nicht wie meiner Pantsergeneralka, ob ihre Schüler mitkommen und verstehen… Hauptsache, es rummst. (Äh, gut, die Metapher hat sich an dieser Stelle ein wenig verlaufen, gemeint war: Hauptsache, der Schüler macht seine упрашнения, seine Aufgaben.) Ihre Lehrmethode ist jedenfalls eine interessante, aber ätzende Mischung aus militärisch-disziplinierter Strenge und grundschulischer “Schreiben sie das Diktat zuhause noch dreimal fehlerfrei!”-Didaktik. Eigentlich ist sie ja auch ganz nett, aber… äh… das gefühlte Verhältnis von Zuckerbrot zu Peitsche ist etwas unausgewogen.

Unseren zahlreichen, landeskundlichen oder “Kann man auch … sagen?”-Fragen setzte sie mit einem Spruch, den ich mir einrahmen werde, ein Ende: “Wer man sich zerstreut, lernt man nicht.” (sinngemäß). Ok, ich hör jetzt gleich auf, über die Dozentin her zu ziehen. Heute, bei der anderen Lehrerin, haben wir eine erstklassige bulgarische Redewendung gelernt, die wunderbar auf Panzergeneralin zutrifft, wie ich finde: “…, als ob man ihr das Frühstück weggegessen hätte!”

Die beiden Dozentinnen wechseln sich mit dem Unterrichten ab. In welchem Rhythmus oder nach welchem Prinzip, konnten wir noch nicht herausfinden, wir sind jeden Morgen auf’s Neue gespannt. F., ein Spanier, der auf Deutsch Bulgarisch lernt (r.e.s.p.e.c.t.!), hat die Theorie aufgestellt, dass die beiden abends zusammen Karten spielen und wer verliert, muss uns Arschkrampen am nächsten Tag unterrichten. Може би.

Ich hoffe, dass ich nach diesen drei Wochen nicht zu stark desozialisiert sein werde. Bis auf einen Abend in der “Heimbar” mit anderen “Heimlingen”, wie sich die Bewohner meines Wohnheims hier selbst nennen (seit ich weiß, dass die alle total auf Whiskey abfahren, wundert mich nix mehr) und einen netten Kicker-Abend mit J., den ich aus Hildesheim kenne, in Saarbrückens Altstadt, hab ich nur mit meinen колеги zu tun. Die wiederum sind nicht besonders zahlreich. Bisher waren H. und ich die meiste Zeit alleine mit unseren преподавателки

Mein Lernerfolg in Zentimetern?

H. wird nächsten Monat 50 und kommt aus dem Os… Entschuldigung, aus Thüringen. Er und seine Frau ziehen im Herbst nach Sofia, sie hat dort eine Stelle als Deutschlehrerin angenommen. Er hat einen, wie ich finde, nicht zu unterschätzenden Vorteil beim Bulgarisch lernen: In der DDR hat er natürlich руски езикът gelernt — für ihn sind die Kyrilliza nicht nur Ameisen und die russische Lexik ähnelt der bulgarischen stark. Eigentlich ist es mit H. ganz lustig, denn er erinnert mich total an meinen guten Freund J. von zuhause. J. in 40 Jahren, that is. J. hat nämlich auch manchmal verquere Ansichten, aber wenigstens schwingt bei J. nicht manchmal diese ätzende, nur aus Trotz und weil man mit nem “Wessi” redet aufgesetzte “Bei uns war alles besser”-Mentalität mit. Egal über was man mit H. diskutiert, praktisch immer landet man ziemlich schnell an ‘nem Punkt, an dem er anfängt, sich über “das System von heute” aufzuregen. Wirklich, ich hab noch nie 15 Minuten an einem einzigen Frühstücksriegel gekaut, bloß um nicht sprechen zu müssen, über brandinteressante Topics a la “Man erwartet doch heute von Verkäufern, dass sie einen belügen!”, “Tja, jetzt mit den Kontrollen bei Hartz IV haben wir ja hier auch wieder nen Polizeistaat!” oder das zeitlose Evergreen “Damals mußten/hatten wir…”.
Außerdem gibt’s Abzug bei den Sympathiepunkten für den Spruch von wegen ich sei “hinter dem eisernen Vorhang aufgewachsen”. An dieser Stelle ein freundliches, aber bestimmtes “Steck dir dein ‘Kommt ja immer auf die Perspektive an, ne? höhö!’ sonstwohin, H.!”

Aber mal Spaß beiseite, wer von uns hat den Weltfrauentag letzte Woche überhaupt wahr-, geschweige denn ERNST genommen Wie’s der Zufall will, ist der Weltfrauentag einer letzten überlebenden sozialistischen Feiertage und offensichtlich hat er auch in H. überlebt. Die bulgarischen Lehrerinnen haben sich über seine Schokolädchen gefreut, lustiger fand ich allerdings die Reaktion von K., einer weiteren Kollegin: “Weltfrauentag? Ach, deswegen die ‘Angebote zum Frauentag’ im LIDL-Prospekt…” Danke, K. Allen anderen gratuliere ich herzlich zum Frauentag, es ist toll, dass ihr Frauen Frauen seid, macht weiter so! daumenhoch

K. lernt übrigens Bulgarisch, um dort nach ihrem Lehramtsstudium als Fremdsprachenassistentin zu arbeiten. Sie sagt, ihr hat’s dort beim Schüleraustausch so gut gefallen.

Eher sporadisch tauchten bisher noch C. (aus Köln pendelnd!), F. (der Spanier) und K., eine “Uuuuungaaaahriiin” mit lustiger Aussprache auf. Die chaotisch-lockere Art, ihre, was Sprachen und Sprachdidaktik betrifft, leicht klugscheißerische Art, ihr Zuspätkommen und ihr ständig klingelndes Handy brachten die gute Frau “Panzergeneralka” zur Weißglut. (Im Gegensatz zu F. besaß K. aber immerhin noch den Anstand, ihre Anrufer wegzudrücken.) Während des Schweigens, das immer dann entstand, wenn wir ihre auf leider zu schnellem Bulgarisch heruntergerasselten Anweisungen mal wieder nicht verstanden hatten, konnte man es leise brodeln hören in ihr. Die Vorstellung, wie ein ihr an die Backe geklatschtes Schnitzel langsam anfängt zu brutzeln, sorgte dann auch bei mir für einen, leider viel zu kurz währenden Zustand angenehmer Zerstreuung… Hmmwas? Ach ja, ‘tschuldigung, man lernt ja nicht, wenn man sich zerstreut, ich vergaß.

Mein Lernerfolg in Zentimetern?

Sicher, ich mag einen leichten Schaden vom Seminar “Kontrastive Lexikologie” davongetragen haben, aber nicht nur deswegen habe ich mich heute über das Wort връзка gefreut. Das Wort hat wirklich einen ganzen Haufen von Bedeutungen. Die “hängen” zwar auch irgendwie miteinander zusammen, haben aber gleichzeitig absurd wenig miteinander zu tun. Wer nämlich über seine връзка stolpert, strauchelt über seinen “Schnürsenkel” und holt sich höchstens ein blaues Auge. Denn das ist noch der Optimalfall, denn връзка bedeutet auch “Beziehung” und wer darüber stolpert, hat meist ein größeres Problem als nur ein blaues Auge.

Für Nicht-Linguisten: връзка ist ein bisschen so wie schlumpfen. Es kann alles Mögliche bedeuten. Hier nur eine kleine Auswahl:
Schnürsenkel (Band, Schnur) und Beziehung (Relation, Bezug) auch noch Krawatte/Schlips, Bündel/Bund, Zusammenhang, Anschluß/Kontakt/Verbindung u.v.m.
Toll, ne?

Schmunzeln respektive Kinnlade-auf-Tisch-fallen-lassen musste ich mal wieder bei den diversen Germanismen im Bulgarischen. абзац und мазщаб sind ja noch ganz lustig. анцуг ließ mich dagegen schon eine Augenbraue hochziehen und ich bildete mir ein, schon mal gehört zu haben, dass hässliche 70erjahre-Trainingsanzüge das wichtigste Exportprodukt der DDR waren. маршрутки такси aber ist mein persönliches Highlight: Die in Osteuropa üblichen privaten Minibusse, die den öffentlichen Nahverkehr auf festgelegten Strecken ergänzen, sind in Bulgarien die “Marschruten-Taxis”.

Natürlich ist auch die bulgarische Sprache nicht gefeit vor Anglizismen. Im Gegensatz zum Deutschen, wo sich noch Generationen von Linguisten wegen “gedownloadet” / “downgeloadet” und ähnlichem Schmonzes in die Haare kriegen werden, ist das Bulgarische da etwas plumper: Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird bulgarisiert. Geschrieben wird nur, was man hört.

Deswegen: Приатен уикенд!

zurück zur Startseite · Tags: , , , ,

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen

zurück zur Startseite