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“In case there’s nobody waiting for you: Do not worry!”
Wie ein Mantra hatte ich diesen Satz (mit feinem osteuropäischem Akzent) die letzten Tage vor mir hergebetet, doch siehe da: Es sollte gar keinen Grund zu “worry” geben :-)
Der Flieger kam heile an, jemand vom Institut (eher wortkarge Toni) war da, um uns abzuholen, die Zimmer waren reserviert. Äh ja genau, uns, denn mit dem selben Flieger kamen noch vier weitere Erasmus-Studenten an.
Jetzt bin ich also stolzer Besitzer von 14 m² Sozialismus, einer Dusche die nicht nur kalt, sondern auch eiskalt kann und einer kleinen Kakerlake. (Ich hab sie Kacki getauft, weil ich sie beim Kacken kennengelernt habe. Toll, nicht?)
Mein erstes Abendbrot war eher spärlich, aber ok. Nahrhaftester Teil war sicherlich das Bier (kann man trinken! 0,30 €!), denn was da auf den ersten Blick wie ein Sandwich aussieht, ist in wirklichkeit Pappe, belegt mit geschmacksneutraler Salami-Attrappe. Sozusagen eine Papptrappe. Aber darüber sollte ich besser keine Scherze machen, am Ende heißen die Dinger auf Bulgarisch wirklich so.
Direkt gegenüber meines Wohnheims steht eine riesige, blitzblanke, schniegelnagelneue, blau verkleidete Shopping Mall nach westlichem Vorbild (“Sky City” schimpft sich das Ungetüm), die den in der Nacht angekommenen Franzosen tags drauf als “culture bubble” dient: R. kauft sich erstmal eine Flasche Orangina, because “it’s from France”!
Die Mall muss, meiner Ansicht nach, durch ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum dort hin geplumpst sein: Auf dem Gelände war früher Sofias größte Elektronik-Fabrik, ringsrum langsam vor sich hingammelnde graue Wohnblöcke und alte Fabrik-Klötze.
Drinnen wimmelt’s vor blitzblanken Geschäften aller möglichen westlichen Marken, die aber die meiste Zeit bis auf die strickenden oder Zeitung lesenden jungen Verkäuferinnen leer sind.
Am Sonntag ausgeschlafen, und bitterkalt geduscht. Dann versuchsweise mit zwei Franzosen und einem unverständlichen Briten (a “Brummie” actually) einen Kaffee in der Mall trinken gegangen und mich dann für einen dreistündigen Spazie- bzw. Spaz-Irrgang entschieden – alleine. Musste ein paar Mal schlucken, etwa wie bei diesem, seltsam symbolischen Motiv:
Hier wimmelt es vor interessanten Motiven, wie etwa dem allgegenwärtigen Verfall oder anderem seltsamen Zeug, wie etwa der Ziegenhirtin im Stadtpark.
Abends das erste Erasmus-Beschnüffeln zwischen den Polen, Franzosen, der Holländerin, dem Briten und dem Deutschen. Ich versuche mich gerade an polnischem “Apfel”-Saft… more like “Plutonium Juice”, I’d say.
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Nachtrag zu den teuren westlichen Geschäften, in denen vermeintlich nie jemand etwas kauft: Während der etwa anderthalb Stunden, die ich an diesem Freitagnachmittag in der Mall auf einer Bank saß, wurden sage und schreibe drei 32”-Flachbildfernseher aus dem Mediamarkt-Verschnitt getragen.
— Phil · Sep 8, 02:40 AM · #
Gute Nachrichten: Nach einem Gipfeltreffen haben Dusche und ich ein bilaterales Abkommen über die Durchleitung von morgendlichem Kochendheißwasser abgeschlossen. Jetzt muss ich nur noch eine UN-Resolution zur “Ächtung von gleichzeitigem Anstellen der Dusche mit mir” gegen die Anrainerstaaten meiner Pipeline (sprich: Zimmer 503, 603, …, 1503) erwirken, damit mich nicht mehr so oft mitten in der schönen warmen Dusche ein eiskalter Schauer erwischt. Katja, welche Sanktionen wären da angemessen? ;-)
— Phil · Sep 13, 09:18 PM · #
(Kommentare die aus moralischen Gründen nicht gern gesehen werden und deshalb anonym gepostet werden)
zu den Fotos:
“Bist Du sicher, dass da nicht grad Krieg ist?”
— Arnonym · Sep 15, 11:43 PM · #