Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /customers/1/f/4/metaphil.de/httpd.www/blogarien/textpattern/lib/txplib_db.php on line 14 Deprecated: Function split() is deprecated in /customers/1/f/4/metaphil.de/httpd.www/blogarien/textpattern/lib/txplib_misc.php(534) : eval()'d code on line 401
Zugegeben: Der Film, an den sich diese Überschrift anlehnt, ist schrecklich. Trotzdem fühle ich mich immer ein bisschen wie Bill Murray, wenn ich in Sofia Taxi fahre.
“Guten Abend” (Nachts um eins/drei/fünf – “Guten Morgen” wäre passender…) – “Guten Abend! Nach […], bitte!”
[Kurzes Schweigen] – “Woher kommen Sie?”
So beginnt für mich praktisch jede Taxifahrt.
“Naja, ich komme aus Deutschland.” – “Rumänien?” – “Nein, Deutschland!”
Er hat Recht: Ordentlich genuschelt klingen Германия und Румания wirklich sehr ähnlich. Dass mein Bulgarisch in der Regel umso besser verstanden wird, je undeutlicher ich spreche, habe ich bereits erwähnt?
“Oh, super! Ich war mal dort…” / “Oh toll, ich habe einen Verwandten dort!” / “Ach, wirklich? Ich war mal in Österreich…” / “Ah, funnderbarr!”
Sei es der entfernte Onkel, der mittlerweile längst drittklassige deutsche Fußballklub oder der Vorsitzende des deutsch-bulgarischen Freundeskreises in Sonstwo: Praktisch jeder Bulgare, der was auf sich hält, eine wie auch immer geartete Verbindung nach Deutschland hat, habe ich glaube ich ebenfalls schon an anderer Stelle erwähnt.
“Ich bin Student aus dem Erasmus-Programm.”
Das klingt wahrscheinlich nicht nur auf Deutsch holprig.
“Ha! Hier? Oder in Deutschland? Also hier studiere ich angeblich Kulturologie – in Deutschland Internationales Informationsmanagement.” – “Oh, Мениджмент!”
Ja, aber… ok. Management. Genau. Allgemeines Management. Ich studiere “Dienstwagen und fette Abfindungen bekommen und keine Praktika nötig haben” – genau! Kennt jemand den Film Trainspotting? “Mr. Spud, sagen Sie uns – warum möchten Sie für uns arbeiten? Was interessiert sie an der Freizeitbranche?” – “Ääääääääähhhhhhhh…. Kurzgesagt: Freizeit. MEINE Freizeit. UND die Freizeit anderer Leute!”
“Och, naja, es ist nicht immer ganz einfach, aber es ist viel viel interessant. Die Menschen sind sehr freundlich und die Städte und (eine) Natur sehr schön!”
Das mit der Natur stimmt auf jeden Fall, das mit den Menschen meistens und das mit den Städten manchmal. “Interessant” allerdings ist gnadenlos untertrieben. Hinter jedem Taxifahrer steckt eine andere Lebensgeschichte. Der Eine hat mal in Deutschland schwarz auf “die Baustelle, schnell schnell” gearbeitet, der Nächste hat Sozialpädagogik studiert, ist jetzt in Sofia Polizist und fährt Taxi nicht wegen des Geldes sondern der interessanten Leute und der netten Stammgäste wegen (Spaßeshalber Taxi fahren Fragezeichen?), der Dritte ist eigentlich aus Ungarn und versteht, wie schwer die Sprache sein kann und behilft sich mit Folkloretanz in einer bulgarischen Tanzgruppe.
“Oh ja, wirklich sehr schön! Ich war schon in Plovdiv, Varna, Sosopol, Burgas, Pernik, Melnik, Panagjurishte, Koprivshtiza…”
Und mit jeder Taxifahrt bekomme ich einen weiteren, unbedingt sehenswerten Ort in Bulgarien empfohlen.
“Ach, seit September erst? Du sprichst sehr gut Bulgarisch! Wo hast du es gelernt?” – “Oh danke. Ich habe einen Kurs im März in Deutschland für drei Wochen und einen Kurs in Bulgarien für drei Wochen im September. Ich entschuldige mich, ich kann nicht vergangene Zeit sprechen auf Bulgarisch.”
Beschämend. Und das nach zwei Sprachkursen. Aber es sind nicht die Komplimente, es ist eher die dankenswerte Offenheit der Taxifahrer: Sei es das verstehende Fehlen eines Wimpernzuckens auf mein holpriges, aber offensichtlich verständliches “Nach Hause oder zum nächsten Geschäft für alkoholige Getränke!” oder, auf mein “Uargs, was für ein schrecklicher Laden!”, das zustimmende “Ach ja, schrecklich, seit der Демократизация…”
“Also, wenn du mal ein Taxi brauchst…”
Wenn du also mal ein Taxi in Sofia brauchst – Ich kann dir gerne die Nummer von Radoslav, Georgi, Ognjan und ihren Kollegen geben. Mein Stapel von Lebensgeschichten resp. Taxifahrer-Vistenkarten wächst unaufhörlich.
zurück zur Startseite · Tags: bulgarien, expatriate-dasein, verkehr
Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen