Wie bitte? Was ich denn für einer sei? In welches interkulturelle Fettnäpfchen bin ich denn da schon wieder arschbombemäßig reingeplatzt? Wie hat sie das bloß gemeint? “Добер ден! Аз търся обувки за джогинг.“ – “Какъв сте вие?“
Wie bitte? Was ich denn für einer sei? In welches interkulturelle Fettnäpfchen bin ich denn da schon wieder arschbombemäßig reingeplatzt? Wie hat sie das bloß gemeint?
“Joggingschuhe? Was soll denn das sein? What’s next – Schuhe mit Blinklichtern im Absatz oder aufpumpbar Luftfederung? Was bist du denn für ein Witzbold?” Der für die Größe des Standes (2 m²?) recht beachtlichen Auswahl an Joggingschuhen (ein gutes Dutzend Modelle aus dem Hause RUNNERS – die Ähnlichkeit ist beabsichtigt) zufolge kann sie es so nicht gemeint haben.
“Joggen? Was bist du denn für ein schräger Vogel?” Ist joggen hier etwa als metrosexueller Schnickschnack verpönt, als “so nineties”? Irgendetwas sagt mir, dass “metrosexuell” nicht zum Wortschatz des etwa 70jährigen Verkäuferin-Mütterchens gehört.
Hat ihr verbales Naserümpfen womöglich pragmatischere Gründe? “Joggen? Hier? In Sofia? Was bist du für einer, bist du lebensmüde? Du wirst schon nach 10 Metern ins nächste Schlagloch stürzen und auf dessen Grund elendig verhungern!”
“Ах, Германия! Добре, добре!“ – Ich scheine richtig geraten haben. Es dauert noch eine Weile, bis ich meine neuen Joggingschuhe mit nach Hause nehmen kann. Vorher plaudern wir noch ein wenig, und wie fast jeder der acht Millionen Bulgaren hat auch sie irgendetwas, dass sie mit Deutschland verbindet. (Dann müsste im Umkehrschluß doch eigentlich jeder zehnte der ~80 Millionen Deutschen eine Verbindung nach Bulgarien haben, oder? Werde das mal empirisch untersuchen, wenn ich zurückkomme.)
Ungeachtet dessen sind und bleiben Luftpolsterschuhe “so nineties”. Und, falls du das liest, liebe Schuhverkäuferin, ich hatte Recht: Euer erster bulgarischer ZarFürstKönig Alexander von Battenberg war doch Deutscher und nicht Russe. Und – wer hätt’s gewoßt? – Der Gute ging übrigens in Darmstadt zur Schule, auf’s LGG.
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Wahrscheinlich kommt es nicht so oft vor, dass ein Ausländer, der obendrein auch noch versucht auf Bulgarisch zu sprechen, den Laden betretet. Außerdem hättest du lieber “маратонки” statt Joggingschuhe sagen sollen :P
— Bellerophon · Jan 29, 11:43 PM · #