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Service ist kaum zu sehen. Warum? Ganz einfach: Der Service kann einen auch nicht sehen!
Ob bei der Bahn, am Nüsschenstand, beim Bäcker, der Einwanderungsbehörde oder dem Kiosk: Der Kontakt zum Personal beschränkt sich in der Regel auf ein winziges Fensterchen. Auf Hüft- oder Brusthöhe angebracht, zwingt es den Augenkontakt suchenden Kunden in eine manchmal recht devot gebeugte bis entwürdigende Haltung. Witzig sieht das allerdings wieder bei den Souterrain-Kiosks aus: Umschlagplatz für Zeitung, Zigaretten und Bier ist hier ein auf Bodenhöhe befindliches Kellerfensterchen. Wer hier einkauft, sieht wirklich so aus, als ob gerade (s)ein “Geschäft macht”.
Bei Nüsschenstand und Kiosk sind die kleinen Fenster ja noch zu verstehen: In diesen winzig kleinen und freistehende Büdchen dürfte es im Winter ziemlich kalt werden. Aus diesem klimatischen Grund sind dann auch die “Services” dementsprechend kurzatming. Der typische Nüsschen-Kauf läuft etwa so: “Bitteschön? Nüsschen?” – “Nüsschen, bitte!” – “Bittesehr, Nüsschen!” – “Nüsschen! Danke! Bitte, Geld!” – “Danke, Geld!” – “Bitte-Danke!”
Anders motiviert müssen die Fenster der komplexeren Dienstleister sein: In der Einwanderungsbehörde etwa wird die Öffnung im (Panzerglas!-)Fenster wieder durch eine vorgelagerte Glasscheibe praktisch verschlossen. Die Ausrede “Ich kann sie nicht verstehen!” ist hier auch schon mal Grund für ein vorzeitiges Ende des Gesprächs. Versuche, die Kommunikation durch den Dokumentenschlitz fortzusetzen, schlagen fehl. Möglicherweise wäre eine Nutzung “Geldschlitz” manchmal effektiver?
Eine Anwendung wissenschaftlicher Modelle (Sender-Empfänger-Modell von Shannon-Weaver) offenbart knallhart das womöglich größte Problem der bulgarischen Wirtschaft: Sender (Kunde) – Kanal (schalldämpfende Glasscheibe) – Empfänger (Mitarbeiter)
Im Ticket Office der Verkehrsbetriebe sitzen die Mitarbeiter hinter einer Panzerglasscheibe. Die starke braune Tönung soll wohl die großen Kassen mit den Tageseinnahmen verstecken. Nicht verstecken kann sie die hochkonzentriert rauchenden Sudoku-lösenden Damen an den geschlossenen Schaltern zwei und vier.
Ein typischer Dialog an der Information im Busbahnhof Sofia läuft ungefähr so: “Hello! Could you tell us where to buy tickets to Plovdiv?” – “Ticket Box 16.” – “And do you know when the next bus to Plovdiv departs?” – “Ticket Box 16!!” – “Yes, but when does…” – “TICKET BOX SIX-TEEN!!!!” – “Thank you, you are very kind and helpful! Would you like some nuts? I’ve had enough, I’m nuts already…”
Aufheiternder und garnicht mal so unrealistisch bzw. des Labels “Schlechte Witze” nicht wert sind die Fotos aus Rumänien und Bulgarien bei jetzt.de:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/396469
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NNOOOIIISSSEEE
— lea · Nov 10, 11:30 PM · #
Nüsschen?
Es kommt mir vor, als würdest Du in einem Horror-Szenario leben: Die Eichhörnchen haben die Weltherrschaft an sich gerissen.
Keine Supermärkte mehr. Nur Nüsschenbuden.
Ich wusste es…
— Buchstabensuppe · Nov 12, 04:53 PM · #
Um jetzt den Klugscheißer raushängen zu lassen: Kanal wäre selbstverständlich die Luft bzw. vielleicht noch der Dokumentenschlitz, die Glasscheibe wäre eine Störung in diesem Kanal… Das muss jemand im Haupstudium doch wissen!!! ;p Hab mich herrlich amüsiert über die Nüsschen.
— Alex · Nov 23, 01:18 AM · #