Wie gesagt, es gäbe so viel zu erzählen. Weiß garnicht wo ich anfangen soll. Allein die affenartig schnelle (und vergleichbar intelligente) Verkäuferin in der Bäckerei etwa wäre einen Artikel wert. Von großen Blechen piekst sie mit einer Grillgabel das vor fett triefende Backwerk in die Plastiktüten. Geht nichts über ein frisches Banitza auf dem Weg zur Uni oder eine der diversenen anderen Mjamm-Mjamm-Sachen aus der Bäckerei (etwa Krenwirschka, was praktisch eine leckere Version von Würstchen im Schlafrock ist oder Kaschkawalka, das Käse-(bröt-)chen). Keine Zeit für das. Gibt dringenderes zu schreiben, etwa eine Suchmeldung:
Gesucht wird der Name der abgebildeten grünen Frucht. H. und ihr Freund T. haben sie auf ihrem Trip ans schwarze Meer gefunden. Sieht ein bisschen aus wie ein Alien-Ei. Wir wissen nicht, ob es essbar ist; wir wollten erstmal abwarten ob es vielleicht schlüpft? Die Kürbisse und Melonen werden hier übrigens überall tonnenweise (!!) am Straßenrand verkauft. T. meinte, das letzte Foto sei ja ganz schön pervers. Ich weiß zwar nicht wieso, hab aber das dumpfe Gefühl, dass er recht haben könnte. Jedenfalls wär’s toll, wenn jemand nen Tipp hätte, was diese seltsame Frucht betrifft. Auch Z., eine Bulgarin, konnte nicht weiterhelfen. M., alter Pflanzenkenner in Erfurt, weißt du nicht vielleicht was???
Meine zweite Uni-Woche jedenfalls begann erfolgreicher als die Letzte endete. Zwar kündigte sich mit dem ausgefallenen warmen Wasser (kurz drauf fiel auch noch das Kalte aus) neues Ungemach an,aber am nächsten Tag gings wieder. Dafür gab’s in der Uni keinen Strom, aber unsere Kleingruppe scharte sich dann einfach um das Notebook der Dozentin statt um den Beamer. Irgendwann ging er wieder. Und dann, Überraschung: Alle meine Dokumente waren fertig, die Damen im Ticket-Office der Verkehrsbetriebe verstanden, dass ich eine studentische Monatskarte (für günstige 17 ) wollte, die Polizei hatte meine ID-Karte fertig. Super! Nach sieben Tagen und zehnmal so vielen grauen Haaren bin ich also bulgarischer Student/studentischer Bulgare. Wohin soll denn jetzt mein angestauter Frust entweichen? Es klappt doch alles? Langsam aber sicher (die Betonung liegt auf “langsam”) kriege ich sogar meine Kurse zusammen. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, habe ich gegen Ende des Semesters vielleicht sogar einen halbwegs vernünftigen Stundenplan…
“Project management” montags ist recht interessant, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das verwendete Modell (PRINCE2) bei uns recht verbreitet ist. Aber egal, ist nur ne Einführung, PM kann man immer mal gebrauchen und Hauptsache: Kurs. Dienstags bei der selben netten Dozentin E-Commerce. Ganz nett, aber in meinen Augen hoffnungslos veraltet. Sie spricht mit leuchtenden Augen in Futur, Konjunktiv und einer Begeisterung, die an die späten 90er/frühen 2000er Jahre erinnert, von den unabsehbaren Veränderungen im Konsumverhalten. Ihre Folie “Ein Blick in die Zukunft” zeigt Prognosen für immerhin 2008 mit Zahlen die schon vor ein paar Jahren übertroffen wurden… Aber nett ist sie.
Dienstag und Mittwoch hielt einer meiner Hildesheimer Dozenten (J.) zwei Gastvorträge. Als Belohnung für’s Zuhören zum Essen eingeladen worden. Lecker Pizza. Die Bedienungen liefen in italo-bayrischen Fantasiekostümen in Dirndl-Optik mit enorm kurzen Röckchen rum. Mehr -chen als Rock, um genau zu sein. Krasser aber noch der Laden, den wir für den Nachtisch aufsuchten. Eine große Auswahl an Torten und Kuchen. Ich bin mir aber angesichts der noch kürzeren Röcke der Kellnerinnen (siehe Bild, abb. ähnlich!!!) nicht ganz sicher, was mein Dozent auf die Frage, was er denn bestellen möchte, mit “I’ll take one of the sweets!” meinte.
Anyways. Meine dritte Lehrveranstaltung ist beim Vice Dean der philosophischen Fakultät und nennt sich “Ideologie, Kultur, Geschichte – politische Grundbegriffe”. Er will Texte von Marx, Engels, Adorno, Horkheimer und Mirovic behandeln. Eigentlich eine gute Sache. Aber wenn er weiter mit dieser Gründlichkeit vorgeht, schaffen wir’s bis Ende des Semesters nicht mal bis zum “
lo“ in “Ideologie”. Er begann damit, uns die strenge Struktur und Hierarchie der antiken griechischen Städte zu erklären. (Wer hätt’s gedacht: Stadtviertel heißen Stadtviertel wegen der Griechen).
Einige seiner Thesen waren allerdings mehr als abenteuerlich: “Das griechische politea bedeutet, ‘Alles, was wir zusammen gut machen’. Dazu kann man also auch die Paarung von Mann und Frau zählen, den Geschlechtsverkehr und so. Auch das ist also politisch.” Aha, soso. Ist notiert und steht ganz oben auf der To-Do-Liste: “Hey, Baby, Lust dich politisch zu engagieren? Ich bin übrigens antiker Grieche!” Draußen auf dem Dach gegenüber blinkt die Johnny-Walker-Werbung in einlullendem Rythmus und zieht meine Blicke und Gedanken auf sich.
Kurz innerlich eingenickt. Weiter geht’s mit den spaßigen Thesen: Ihm zufolge konnten Frauen deswegen nicht in der griechischen Politik mitmischen, weil sie aufgrund der schlechten hygienischen Zustände damals jeden Monat für eine Woche (ja, genau die Woche) ausfielen und sie schmerzeshalber “wie verrückt” seien und zu nichts (“politischem”?) gebrauchen waren. Viel zu unzuverlässig für Politik und Business. Aber gut genug für Bildung der Kinder und Kultur. “Achso? Naja! Gell?” würde S., die Litauerin unter Verwendung all ihrer deutschen Vokabeln wohl dazu sagen. Dem kann ich mich nur anschließen.
Entdeckung des Tages: H. aus Deutschland empfahl mir VoipBuster. Ein Voice-over-IP-Programm, mit dem man sehr günstig und sehr einfach internationale Ferngespräche führen kann. Nach Deutschland/Festnetz etwa für 1ct/min. Kreditkarte, Lastschriftverfahren, Maestro… Überzeugend.
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mäuschen, darf ich mich heute nacht mal um dich kümmern?? (auch ein griechischer spruch)
— herr m · Oct 29, 04:20 PM · #